Ruth Levy
Osterstr. 5, Coppenbrügge
Ruth Levy wurde am 7. November 1911 in Coppenbrügge geboren. Ihre jüdischen Eltern waren die Eheleute Oscar und Lieschen Levy. Sie betrieben in Coppenbrügge ein kleines Textilgeschäft in den Räumen des Hauses, vor dem wir gerade stehen: Osterstraße Nr. 5.
Nach der Volksschule besuchte Ruth für drei Jahre die „Höhere Privat-Bürgerschule“ in Coppenbrügge. Das war eine Mittelschule, die ihr Großvater, Arnold Levy, gegründet hatte.
Ostern 1924 wechselte sie auf eine weiterführende Schule: die Viktoria-Luise-Schule in Hameln, damals eine reine Mädchenschule. Sie blieb dort nur ein Jahr und verließ die Schule vorzeitig im Alter von 13 Jahren. Wir wissen nicht, ob sie danach weiter auf eine andere Schule gegangen ist oder ihren Eltern im Geschäft geholfen hat. Jedenfalls lernte sie später Krankenschwester. Ihre Ausbildungsstelle ist nicht bekannt.
Seit 1933 lebte sie in Hannover. Sie arbeitete als Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus, wo sie auch wohnte. Ruth Levy muss eine tüchtige Krankenschwester gewesen sein, denn zuletzt war sie als Oberschwester tätig.
Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten nahm immer mehr zu. Ruth Levy hoffte ins Ausland fliehen zu können. Seit Sommer 1940 versuchte sie nach Caracas in Venezuela auszuwandern, um dort als Krankenschwester zu arbeiten. Das gelang ihr nicht, weil die Behörden zu langsam arbeiteten und die Auswanderung schließlich verboten wurde.
Das eigentliche Ziel der Nazis war der Tod der Jüdinnen und Juden. 1941 begannen die Deportationen der Hannoveraner Jüdinnen und Juden in den Osten. Zunächst mussten sie in sogenannte Judenhäuser umziehen. Von dort wurden sie nach Hannover-Ahlem geschafft, auf das Gelände der ehemaligen Israelitischen Gartenbau-Schule.
Am 15. Dezember 1941 wurden 1.001 Jüdinnen und Juden mit LKWs zum Bahnhof Linden-Fischerhof gebracht und von dort mit dem Zug nach Riga ins Ghetto verschleppt. Im Zug Ruth Levy und ihre Eltern Lieschen und Oscar Levy. Sie kehrten nicht zurück.


