Inge Heiden

Dörper Str. 41, Coppenbrügge-Dörpe

Inge Heiden wurde am 8. Januar 1935 in Behrensen geboren. Sie war das zweite Kind von Anna und Heinrich Heiden. Das Ehepaar hatte fünf weitere Töchter. Die Familie wohnte hier in der heutigen Dörper Str. 41 zur Miete. 

Kurz nach der Geburt der 6. Tochter verstarb die Mutter im April 1942. Der Vater war damals als Soldat im Krieg. Die Schwestern mussten versorgt werden. Die Einweisung der behinderten Schwester Inge in die Heilanstalt Lüneburg war offenbar früh nach dem Tod der Mutter beschlossen. Ihre Schwestern wurden von den Behörden in verschiedenen Haushalten des Umlandes untergebracht.  

Am 8. Mai 1942, im Alter von 7 Jahren, kam Inge nach Lüneburg, in die sogenannte Kinderfachabteilung. „Kinderfachabteilungen“ waren von den Nationalsozialisten eingerichtet worden, um behinderte Kinder zu beobachten und zu prüfen, ob sie für die sogenannte Volks-Gemeinschaft noch nützlich sein könnten. Viele Kinder wurden in Lüneburg durch Medikamente oder Unterernährung getötet. Alles sollte geheim bleiben. Leiter der „Kinderfachabteilung“ Lüneburg war Dr. Willi Baumert. Er war Mitglied der NSDAP und beurlaubter Arzt der Waffen-SS. 

Obwohl Inge Heiden als freundliches Kind galt, über die Station lief und ihren Namen sagte, legte sich Baumert in seiner Beurteilung über sie aber bald fest: so notiert er in der Krankenakte wörtlich: „bildungsunfähig“, „keine Entwicklung“, „tiefstehend“. Das waren Formulierungen, mit denen das „Todesurteil“ über Inge Heiden eigentlich gesprochen war. 

Doch Inge sollte noch ein weiteres Jahr in Lüneburg überleben. Vielleicht lag es daran, dass Angehörige (ihr Großvater, ihr Vater) sich zwischendurch schriftlich nach Inge erkundigten? 

Am 15. November 1943, im Alter von 8 Jahren und 10 Monaten, stirbt Inge Heiden in Lüneburg. 

Man muss davon ausgehen, dass ihr Medikamente gegeben wurden. An den Folgen dieser Medikamente starb Inge Heiden. Sie wurde auf dem Anstaltsfriedhof in Lüneburg beigesetzt. 

Der Vater kehrte aus dem Krieg nicht zurück, so dass die fünf Schwestern getrennt voneinander in Pflegefamilien aufwuchsen. Sie hatten zum Teil zeit ihres Lebens weder Kenntnis voneinander, noch Kontakt zueinander. 

Biografie Inge Heiden