Oscar Levy und Elise Levy, geb. Adler, genannt Lieschen

Osterstr. 5, Coppenbrügge

Oscar Levy wurde 1882 als Sohn des Ehepaares Arnold und Bertha Levy in Coppenbrügge geboren. Er lernte Kaufmann in Goslar und Eldagsen und kehrte mit 18 Jahren nach Coppenbrügge zurück. 1909 heiratete er die 7 Jahre jüngere Elise Adler, genannt Lieschen, Tochter des Viehhändlers Meir Adler und seiner Frau Ida. Von seinem Vater Arnold, der neben seiner florierenden Tuchmanufaktur auch wegweisende Neuerungen in Coppenbrügge auf den Weg brachte, erbte Oscar 1911 zusammen mit seinem Bruder William die Besitzungen in Coppenbrügge und Marienau. Er eröffnete ein eigenes Textilgeschäft in der Schlossstraße, wo heute die Sparkasse steht. Später verlegte er das Geschäft hierher in die Osterstraße 5.


Aus dem 1. Weltkrieg kam er mit Auszeichnungen nach Hause, für die er als Jude aber keine Anerkennung fand. Immerhin konnte er durchsetzen, dass das "Kriegerdenkmal" keine christlichen Symbole aufweist. Bald nach Machtantritt der Nationalsozialisten wurde ihm 1933 sein Wandergewerbeschein aberkannt, mit dem er sein Geschäft einigermaßen auskömmlich betreiben konnte. Im gleichen Jahr wurde er - offenbar im Zuge einer Racheaktion des örtlichen NSDAP-Ortsgruppenleiters - in sogenannte Schutzhaft genommen. Zehn Tage saß er ohne Rechtsgrund im Hamelner Strafgefängnis.


Als ihm 1935 das Ehrenkreuz für Frontkämpfer hätte verliehen werden sollen, war sein Name von der Einladungsliste gestrichen worden. Die Familie verarmte. In der Pogromnacht des 9. November 1938 wurde Oscar Levy verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Alsgebrochener Mann kam er krank zurück ins jüdische Krankenhaus in Hannover, wo seine Tochter Ruth als Krankenschwester arbeitete.


Levys hofften, in der Großstadt Hannover bei ihrer Tochter dem Druck der Verfolgung entkommen zu können. Am 27. Dezember 1938 verließen sie Coppenbrügge. Vielleicht wurden sie auch von der SA abgeholt. Das muss nach den Quellen offen bleiben. Den erhofften Schutz fanden sie in Hannover nicht: Die Stadt verlegte im September 1941 die meisten Juden in sogenannte Judenhäuser, um die Deportationen in den Osten vorzubereiten. Am 15. Dezember 1941 wurden Lieschen, Oscar und Ruth Levy mit dem Zug ins Ghetto Riga deportiert. Sie kehrten nicht zurück.


Biografie Oscar und Lieschen Levy